DDR-PLANUNGSGESCHICHTE
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Ein Bronzeporträt von Hanns Hopp

Fund des Monats (Nr. 15 vom Juli 2021)

von Stefanie Brünenberg, IRS Erkner

 

In den Wissenschaftlichen Sammlungen des IRS befinden sich viele Objekte – nicht nur auf Papier, sondern auch einige dreidimensionale Gegenstände. Dazu gehört das Bronzeporträt von Hanns Hopp (1890–1971), das Sie sich im nebenstehenden Fenster von allen Seiten anschauen können, um Details zu erkunden. Die Büste, 1965 von der Bildhauerin Senta Baldamus (1920–2001) erstellt, befindet sich seit 2004 in den Wissenschaftlichen Sammlungen.

Die Datierung der Büste lässt vermuten, dass das Bildnis ein Abschiedsgeschenk für Hanns Hopp war. Als dieser 1966 als Präsident des Bundes deutscher Architekten verabschiedet wurde, war er 76 Jahre alt und hatte eine mehr als beeindruckende Karriere als Architekt in der DDR absolviert: Nach seinem Architekturstudium bei Friedrich Ostendorf in Karlsruhe und bei Theodor Fischer in München arbeitete er ab 1914 im Hochbauamt von Königsberg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er zum Leiter des dortigen Messeamts ernannt und machte sich 1926 selbstständig. Sein umfangreiches Werkverzeichnis aus dieser Zeit hat Gabriele Wiesemann in ihrer 2000 veröffentlichten Dissertation zusammengestellt. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges siedelte er nach Dresden über. Nach Gründung der DDR begann seine zweite Karriere: Er wurde ans Ministerium für Aufbau berufen, wo er 1950 zum Leiter der Abteilung Hochbau im Institut für Städtebau und Architektur ernannt wurde. Als Gründungsmitglied der Deutschen Bauakademie 1951 war er bis 1957 Leiter einer ihrer Meisterwerkstätten. Von 1952 bis 1966 war er zugleich als Präsident des Bundes deutscher Architekten (des neu gegründeten Pendants zum westdeutschen BDA) der Repräsentant eines ganzen Berufsstandes. 1971 verstarb er in Berlin.

Das Bronzeporträt ist circa 40 Zentimeter hoch und steht auf einem 17×20 Zentimeter großen Travertinblock. Es zeigt Hopp in fortgeschrittenem Alter. Seine Gesichtszüge und der nach unten gerichtete Blick sind detailliert ausgearbeitet, seine Lippen sind zu einem leicht angedeuteten Lächeln nach oben gebogen. Vor allem in der Rückansicht wird deutlich, dass der Kopf leicht exzentrisch auf den Block gesetzt ist, sodass eine gewisse Lebendigkeit bzw. Dynamik wahrnehmbar ist. Im Nacken hat die Künstlerin ihren Namen und das Jahr der Erstellung notiert.

      

Senta Baldamus wurde 1920 in Breslau geboren und studierte Plastik und Bildhauerei in München sowie Berlin. Seit 1950 hatte sie ein Atelier in Berlin-Pankow. Ihr Werk umfasst vor allem Porträts, Einzelfiguren sowie Gruppendarstellungen. Bekannt sind neben den Berliner Werken, die in der Datenbank „Bildhauerei in Berlin“ festgehalten sind, vor allem die Sportlergruppe „Stabwechsel“ (1974, Leipzig) sowie die Figurengruppe „Brunnen der Jugend“, deren Bearbeitung mehr als 20 Jahre andauerte: Das Brunnenbecken mit mehreren Figuren wurde 1975 von der Stadt Schwerin in Auftrag gegeben und erst 2002 in Berlin-Lichtenberg aufgestellt. Schon 2001 war die Bildhauerin in Berlin verstorben. Das Bronzeporträt von Hanns Hopp reiht sich in eine Reihe anderer Büsten aus den 1960er Jahren ein: Im Tierpark von Berlin kann man die Bronzebüsten von Karl Foerster (1961–1974) und Peter Joseph Lenné (1964) aus der gleichen Zeit bewundern. In Saurs allgemeinem Künstlerlexikon wird der Stil dieser Porträtdarstellungen als Fortführung einer Berliner Bildnistradition des 19. Jahrhunderst beschrieben, die durch einen „anverwandelten Klassizismus“ einen „Ausdruck von Selbstbewußtsein und Emanzipation der Dargestellten“ abbildet.

      

Das Porträt von Hanns Hopp wurde den Wissenschaftlichen Sammlungen zusammen mit weiterem Material des BdA von dessen letztem 1. Sekretär bzw. Geschäftsführer Hubert Scholz (geb. 1932) übergeben. Darunter sind Kongressberichte, Vortragsmanuskripte und weitere Texte, die bisher kaum in die Forschungsarbeit über den Bund deutscher Architekten eingegangen sind. Im Übergabeprotokoll selbst wird die Büste allerdings dem Bildhauer Waldemar Grzimek (1918–1984) zugeschrieben – dieser hatte zwar Ende der 1950er Jahre einige Skulpturen für die Waldsiedlung Wandlitz erstellt, für das Bronzeporträt von Hanns Hopp ist er allerdings offensichtlich nicht verantwortlich.

 

Literatur

Wiesemann, Gabriele: Hanns Hopp 1890–1971. Königsberg–Dresden–Halle–Ost-Berlin. Eine biographische Studie zu moderner Architektur, Schwerin 2000

Frank, Volker: Artikel „Baldamus, Senta“, in: Saurs Allgemeines Künstlerlexikon, München/Leipzig 2007, S. 107–108

Artikel „Senta Baldamus“, in: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, Bearbeitungsstand: 22. Juni 2021 (abgerufen: 26. Juli 2021)

Artikel „Hanns Hopp“, in: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, Bearbeitungsstand: 22. August 2020 (abgerufen: 26. Juli 2021)

Bildhauerei in Berlin